Teilnahme an der Verfassungs- und Strukturreform in der Vertreterversammlung des ZMD

 

ZMD beschloss einstimmig Verfassungs- und Strukturreform – Stärkung als Religionsgemeinschaft* Berlin – (13.03.2016) beschloss der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) in Berlin in seiner Vertreterversammlung, das höchste Organ des Verbandes, einstimmig eine umfangreiche Strukturreform, maßgebende Satzungsänderungen und die Installierung weiterer wichtige Organe, wie die Umwandlung des derzeitigen Gutachterrates in einen Gelehrtenrat und die Gründung eines Aufsichtsrats. Die Reformen waren notwendig geworden, um einerseits bei den laufenden Anerkennungsverfahren in den Bundesländern den religionsverfassungsrechtlichen Vorgaben des Grundgesetzes zu entsprechen, die bestehenden Landesverbände als Religionsgemeinschaften formal zu stärken, die vielen Neumitglieder der letzten Jahre in demokratischen Strukturen einzubinden und die Basis, also die Gemeinden, nun direkter in den Willens – und Entscheidungsprozess der Religionsgemeinschaften einzubinden. Zentralratsvorsitzender Vorsitzender Aiman Mazyek zeigte sich am Ende der Sitzungen erleichtert „Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir mit Gottes Hilfe und den Einsatz unserer Mitglieder diese für den ZMD dringend notwendige Verfassungsreform umgesetzt haben. Damit haben wir entscheidende Weichen für die Zukunft geschaffen. Uns war es auch sehr wichtig, dass wir alle dabei mitnehmen und deshalb bin ich besonders glücklich, dass die Abstimmung einstimmig verlief“. Der Prozess unter Beteiligung aller Mitglieder, viele Sachverständiger und Experten dauerte etwa zwei Jahre lang. Er hat unter anderem auch die überfälligen Vorstandswahlen verschoben, die nun zeitnah stattfinden werden. Die Satzung ist unter www.zentralrat.de abrufbar.

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Teilnahme an der Flüchtlingskonferenz des ZMD in Darmstadt.

(30.01.2016) Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) lud zur ersten Flüchtlingskonferenz nach Darmstadt ein. Etwa 70 Moscheevorstände, Multiplikatoren und Flüchtlingshelfer aus den ZMD-Gemeinden wurden von dem Vorsitzenden Aiman A. Mazyek herzlich begrüßt. Unter Anderem gab es einleitende Worte von Frau Katrin Klüber, Leiterin Stabsstelle Beauftragter für das Ehrenamt, Herrn Christel Fleischmann dem ersten Beigeordneten des Landkreises Darmstadt Dieburg und Frau Halima Gutale der Flüchtlingsbeauftragten der Stadt Pfungstadt. Mazyek lobte in seiner Ansprache zum einen die Bundesrepublik dafür, dass nun endlich auch die muslimische Gemeinde als Integrationslotsen bei der Flüchtlingsarbeit wahrgenommen wird und dazu erste Förderungen laufen. Andererseits kritisierte der ZMD-Vorsitzende die in dem Asylpacket II Verordnung zur Erschwernis des Familiennachwuchses und nicht ausrechenden Sicherheitsmaßnahmen insbesondere für Kinder und Mütter in den Flüchtlingsunterkünften. Im weiteren Verlauf wurde die bisherige Flüchtlingsarbeit des Zentralrates durch Ihlam El Morabiti, ZMD-Projektleitung „Islamische Wohlfahrt“ vorgestellt. Neben ehrenamtlichen Tätigkeiten in Form von Integrationslotsen (Alltagsbegleitung, Übersetzungen, Behördengänge etc.) bietet der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) e.V. auch Professionalisierungsmöglichkeiten in Form von Schulungen und Informationenveranstaltungen für Gemeinden und Multiplikatoren an. Auch die Errichtung eines Trauma Zentrum mit einer Unterkunft für UMF (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) ist in Planung. Zudem wurde er Flüchtlings-Guide des ZMD vorgestellt, der bald in großer Auflage an die Flüchtlinge und Integrationslotsen ausgegeben wird.   Geleitet wurde die Flüchtlingskonferenz durch den ZMD Flüchtlingsbeauftragten Dr. Erko Ernes Kalac, der selbst einst Flüchtling war und seine Biographie kurz vorstellte und zusammen mit Ihlam El Morabiti den Kongress moderierte. Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag im Nachmittagsbereich in der Finanzierung und Professionalisierung der Flüchtlingsarbeit in den muslimischen Gemeinden. Bedauerlicherweise sind die Gemeinden bisher an ihre räumlichen, zeitlichen und fachlichen Grenzen gestoßen. In diesem Zusammenhang wurden ganz unterschiedliche Möglichkeiten der Finanzierung und Professionalisierung (wie z.B. Patenschaftsprogramm, Bundesfreiwilligendienst, kommunale Finanzierungsmöglichkeiten) aufgezeigt. Die Beteiligten hatten so die Möglichkeit ihre bisherigen Herausforderungen kundzugeben und unter Anderem gemeinsam mit Hamza Wördemann als Experten aus der islamischen Wohlfahrt die Flüchtlingsarbeit zu professionalisieren. „Integration durch Sport“ ist eine weitere Devise des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD) e.V. und durch eine Aufführung einer besonderen Form der Kampfkunst von einem syrischen Flüchtling namens Wael Schaib, hatten die Gäste eine bildliche Vorstellung darüber. Auch die menschenunwürdige Situation in den Flüchtlingsunterkünften wäre für die Zukunft zu verbessern. Rechtanwältin Nahla Osman weilte der Konferenz bei und stand den Beteiligten mit Rat und Tat zu Seite. Sie fokussierte die juristische Sachlage der Flüchtlingsarbeit und ihre Grenzen. Für die Zukunft einigte man sich auf weitere Schulungs- und Qualifizierungsangebote, um den Flüchtlingsstrom als gesamtgesellschaftliche Erprobungsphase langfristig betrachtet meistern zu können. Zum Schluss wurde das neue Kompetenzzentrum Flüchtlingsarbeit beim ZMD vorgestellt, bei dem weitgehende Fragen zu den Förderprogrammen und -möglichkeiten gestellt werden können.

 

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Neuer Jugendbeauftragter des Deutsch-Islamischen Vereinsverband (DIV)

DIV bekommt neuen Jugendbeauftragten

Am Samstag, den 19. September 2015 wurde in Köln ein eigener ZMD – Jugendverband gegründet. An der Gründungsveranstaltung nahm auch der DIV, vertreten durch den Vorsitzenden Herrn Abdelkarim Ahroba und seinen Stellvertreter Professor Mohammed Khallouk, teil.

Zeitgleich wurde Herr Jaoid Darsane als neuer DIV-Jugendbeauftragter bestimmt. Der Verband wünscht ihm viel Erfolg in seiner neuen Aufgabe und ein Gespühr für die Ansprüche und Anliegen der muslimischen Jugendlichen im Rhein-Main-Gebiet. Möge sein Engagement als Jugendbeauftragter des DIV dazu beitragen, den neu gegründeten Jugendverband des ZMD mit Ideen zu bereichern und somit auch deutschlandweit die muslimische Jugendarbeit ebenso wie die Sensibilität in unserer Gesellschaft gegenüber muslimischen Jugendlichen befördern.

http://www.div-rm.de/div-bekommt-neuen-jugendbeauftragten/#prettyPhoto

 

Die Gesellschaft hat ein Recht auf Fragen – Interview mit dem Hanauer Bote

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+++ Jaoid Darsane und Jascha Lindner vom Islamischen Beratungs- und Begegnungszentrum im Bote-Gespräch: „Die Gesellschaft hat ein Recht auf Fragen“ +++

Hanau. Der Glauben, das ist, worin Menschen Kraft und Stärke finden. Doch mitunter kann er auch eine Herausforderung sein, dann zum Beispiel, wenn die eigene Religion durch radikale Fanatiker in den Schmutz gezogen wird. Zugleich ist der Terror unter Berufung auf den Islam fruchtbarer Boden für Ressentiments gegenüber einer ganzen Glaubensgemeinschaft und Wasser auf die Mühlen derjenigen, die sich berufen fühlen, das Abendland mit populistischen Hetzparolen zu „verteidigen“. Der Islam hat ein Imageproblem, und es ist eine große und zugleich schwierige Aufgabe für die überwiegende Mehrzahl der friedliebenden Muslime, die Scherben aufzusammeln, die eine Gruppe von Fanatikern hinterlassen hat. Denn wenngleich diese Scherben schnell zusammengekehrt sind, hinterlassen sie doch tiefe Schnitte im Fleisch der Gesellschaft, Schnitte, die nur sehr langsam verheilen. Und selbst dann bleiben Narben zurück. Es ist angesichts der insgesamt etwa 1,6 Milliarden Muslime auf der Welt ein minimaler Anteil, der einen barbarischen Krieg gegen alle die führt, die sich der eigenen Ideologie nicht anschließen wollen. Wenige, die aber viel zerstören können – wenn man sie lässt. Es ist die Gesellschaft, es sind wir, die die Verantwortung dafür tragen, dass eben das nicht geschieht. Dazu gehört es, in Dialog zu treten, Fragen, auch unbequeme, zu stellen, und Antworten zu suchen. Jaoid Darsane ist mit dem muslimischen Glauben aufgewachsen, Jascha Lindner kommt aus einem protestantischen Elternhaus und konvertierte 1997 zum Islam. Beide sind Mitbegründer der Moscheegemeinde Islamisches Informations- und Begegnungszentrum Hanau (www.iibev.de) und sprechen im Interview über die Angst vor dem Terror, verstaubte Ansichten und die Verantwortung der Muslime.

Hanauer Bote: Herr Darsane, Herr Lindner, was ging Ihnen als erstes durch den Kopf, als Sie die Bilder in Paris gesehen haben?

Darsane: Ich war wirklich schockiert. Extremismus und Gewalt sind mit dem Islam absolut nicht zu vereinbaren, das ist meine tiefe Überzeugung. Es beunruhigt mich, dass es Menschen gibt, die so etwas tun, und ich frage mich, welche Auswirkungen das auf die Muslime und auf die Gesellschaft insgesamt hat.

Lindner: Mein erster Gedanke war: „Was sind das für feige Menschen“. Man setzt sich nicht an einen Tisch und diskutiert, sondern tötet Menschen und beruft sich dabei auch noch auf Gott. Selbst will man nicht, dass einem ein Glaube aufgezwungen wird, und dann versucht man genau das, noch dazu auf so brutale Art und Weise, das macht mich wirklich fassungslos. Die Reaktionen, sei es seitens der Politik oder seitens der Medien, haben mich allerdings positiv überrascht.

Wie wurde all das denn in Ihrer Gemeinde aufgenommen?

Darsane: Natürlich hat uns das ganz intensiv beschäftigt, die Freitagspredigt danach, die wir auch auf unsere Website gestellt haben, war dem Thema gewidmet, daneben haben wir viele Gespräche geführt.

Lindner: Ich hatte auch ein Gespräch mit einem Muslim, der zunächst die Auffassung vertrat, das was in Paris passiert ist, sei richtig. Da war sehr viel Emotionalität im Spiel, es ging auch um das Thema Palästina und ich hatte das Gefühl, dass sich da eine Menge angestaut hat. Wir haben fast eine Stunde diskutiert, und genau das halte ich für extrem wichtig. Jemandem, der mit dem Stift kämpft, kannst du nicht mit der Waffe entgegentreten, man kann sowas ablehnen, aber eben nicht auf einer solchen Ebene. Ich bin ja hier in Deutschland aufgewachsen, und was ich immer schon geschätzt habe, ist unsere Streitkultur, dass man sich sachlich und mit Argumenten auseinandersetzen kann, ohne gleich emotional zu werden. Das ist aber eine Sache, die die muslimische Community erst mal lernen muss, dass man wirklich sagt: Wir müssen über gewisse Dinge auch mal reden.

Fühlen Sie persönlich sich durch Karikaturen, wie sie das Magazin Charlie Hebdo zeigt, verletzt?

Lindner: Definitiv nicht, aber das ist meine ganz persönliche Meinung. Ich bin mit Humor aufgewachsen und Satire ist eben auch oft einfach ein Spiegel, den man vorgehalten bekommt. Natürlich hat da jeder seine ganz persönliche Grenze, meine eigene ist damit jedenfalls nicht überschritten. Dieser ganze Aufruhr wegen ein paar Zeichnungen, das hatten wir ja schon, also bitte, Leute, ich habe zwei Kinder, die bringen mich vielleicht manchmal aus der Ruhe, aber doch nicht sowas.

Darsane: Mich persönlich hat das nicht verletzt oder wütend gemacht, allerdings respektiere ich auch, wenn Menschen das anders sehen. Muslime sind ja oft auch sehr, sehr emotional. Das muss man natürlich akzeptieren und auch diskutieren – aber eben sachlich.

Wie stehen Sie denn zu der vieldiskutierten Ausstellung der Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz in Hanau?

Darsane: Wir haben uns kürzlich zwei islamkritische Karikaturen aus der Ausstellung angeschaut und mussten selber lachen – weil sie amüsant und auch realistisch sind. Wir haben damit kein Problem, vielleicht regt das zum Dialog an, was wir als positiv werten. Aus unserer Sicht sollte die Ausstellung stattfinden.

Was beunruhigt Sie persönlich mehr: dass Fanatiker das Bild einer ganzen Glaubensgemeinschaft beschädigen oder dass Menschen gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes auf die Straße gehen?

Darsane: Beides ist ja miteinander verknüpft, das eine passiert und das andere ist die Reaktion. Beides besorgt mich, aber traurig macht mich, dass der islamistische Terror das Bild des Islam zerstört.

Lindner: Das sehe ich anders, für mich sind das zwei ganz unterschiedliche Dinge. Ich bringe Pegida und seine Ableger nicht mit Vorfällen wie denen in Frankreich in Verbindung, sondern eher mit Unwissenheit. Manche Leute, die da in Leipzig auf die Straße gehen, haben ja noch nie einen Muslim gesehen, insofern liegt da die Verantwortung ein Stück weit auch bei uns, die Leute aufzuklären: Hallo, ich bin Muslim, so denke ich, so lebe ich. Ich denke aber, dass unsere Gesellschaft stark genug ist, das auszuhalten. Wir müssen uns dem stellen, aber das können wir, ganz getrost.

Haben Sie persönlich Angst vor Übergriffen? Haben Sie selbst schon Anfeindungen erlebt?

Lindner: Mir sieht man meinen Glauben ja nicht an …

Darsane: … Ja, und Bart tragen ist ja gerade in, insofern bin auch ich nicht auf den ersten Blick als Muslim zu identifizieren (lacht). Meine Frau hat allerdings schon so ihre Erfahrungen gemacht, nicht nach den jüngsten Ereignissen in Paris, aber immer mal wieder kommt da schon ein blöder Kommentar.

Spüren Sie einen wachsenden gesellschaftlichen Druck, sich für Ihren Glauben rechtfertigen zu müssen?

Darsane: Ich werde gerade von Kollegen öfter mal angesprochen und gefragt, wie es sein kann, dass solche Dinge passieren im Namen der Religion, der ich angehöre. Dem muss man offen gegenüberstehen. Ich empfinde es eher als Bereicherung, wenn ich mit anderen über meine Religion sprechen kann. Manchmal ist es zugegeben nicht ganz einfach, wenn man schon von vornherein eine ablehnende Haltung oder Vorurteile spürt, aber es ist ja zugleich auch die Chance, die zu widerlegen.

Muslime betonen, dass der Islam eine friedliebende Religion ist. Ist dann das eigentliche Problem, dass es so viele unterschiedliche Auslegungsarten gibt?

Lindner: Der Islam ist an Ort, Zeit und Umstand gebunden, das wird mitunter nicht so gelebt. Die Gesellschaft verändert sich, und da tauchen zwangsläufig Fragen auf, die sich früher einfach nicht gestellt haben. Darf meine Tochter am Schwimmunterricht teilnehmen? Wie sieht’s mit Sexualkunde aus? Das steht natürlich so nicht im Koran, und viele Gläubige sind dann verunsichert und wählen den härteren Weg, weil sie sich dann auf der sicheren Seite wähnen. Dabei sind wir ausdrücklich angehalten, es uns leichter zu machen. Das Problem zwischen der islamischen und der westlichen Welt ist aber in der Tat nicht zuletzt auch ein innerislamisches, es gibt unterschiedliche Ansichten und die existieren eben nicht friedlich nebeneinander, weil jeder die absolute Richtigkeit für seine Sicht beansprucht.

Darsane: Und eben jene Zerrissenheit nehmen auch Nichtmuslime wahr, und fragen sich, was bei uns los ist. Das ist ein Problem, das uns sozusagen von innen zerstört. Daneben glauben manche Leute, sie können sich hinstellen und den Koran interpretieren. Doch dafür gibt es Großgelehrte, geistige Führer, deren Rechtssprüche für bestimmte Sachverhalte gelten. Doch manche hebeln das einfach aus, indem sie mehrheitlich anerkannte Gelehrte ablehnen. Es ist außerdem ein grundsätzlich falsches Verständnis vom Islam, wenn man meint, man kann sich einfach das herauspicken, was einem gerade in den Kram passt – und genauso verfahren ja letztlich radikale Islamisten. Die Barmherzigkeit zu der wir angehalten sind, der Nachbar, den man respektieren soll, das wird komplett ausgeblendet. Aber eine Religion gibt es nun mal nur als Gesamtpaket.

Laut Koran dürfen sich Gläubige verteidigen, was offenbar radikalisierten Islamisten genügt, um ihr Tun zu legitimieren. Wenn das richtige Verständnis insbesondere auf einer sachlichen und auch kontextabhängigen Interpretation beruht, muss dann nicht noch viel mehr getan werden in Sachen gemeinsamer Koran-Exegese in Moscheen und/oder Vereinen und insbesondere in der Jugendarbeit?

Lindner: Das ist extrem wichtig, ja. Wir brauchen definitiv Unterstützung, auch von städtischer Seite, denn nicht zuletzt hängt das ja auch immer an finanziellen Mitteln. Auch aus Hanau sind mittlerweile mehrere junge Leute nach Syrien gegangen, das ist kein Geheimnis. Es gibt also auch hier dringenden Handlungsbedarf, aber das ist natürlich auch eine Frage finanzieller und personeller Ressourcen. Für uns ist das ja auch ein ganz fremdes Terrain, dafür sind wir auch gar nicht ausgebildet. Als wir vor sechs, sieben Jahren mit ein paar Infoständen und Vorträgen angefangen haben, haben wir gesagt, wir schauen mal, was wir hier auf die Beine stellen können. Aber es ist jetzt nicht mehr, wie damals, das Thema hat inzwischen ganz andere Dimensionen angenommen.

Junge Menschen, die sich radikalisieren und im vermeintlichen Namen Allahs kämpfen – wo sehen Sie die Gründe für solche Entwicklungen? Sind das immer die, die Hass auf unsere westliche Gesellschaft spüren, weil sie sich in ihr als Verlierer fühlen?

Lindner: Es sind sicher viele darunter, die hier nicht Fuß fassen und dann versuchen, die Schuld auf die Gesellschaft zu schieben. Die westliche Welt, in der man alle Vorzüge genießt, wird auf einmal zum Feindbild. Und dann kommen Leute, die genau wissen, auf welche Knöpfe sie drücken müssen. Daneben ist auch das Internet ein großes Problem, weil sich gerade junge Leute durch einschlägige Seiten klicken und ein ganz falsches Bild vom Islam bekommen. Dabei wird viel mit Emotionen gespielt.

Darsane: Genau das ist ein weiterer Punkt: Menschen, die generell wenig über den Islam wissen und sich vor allem von Emotionen leiten lassen. Die sehen Bilder im Internet, von toten Kindern in Syrien und dann wird an ihr Mitgefühl für die Glaubensbrüder appelliert, nach dem Motto: Wie kannst du das zulassen? Sie fühlen sich verpflichtet, zu helfen und meinen auch noch, damit etwas Gutes zu tun. Unwissenheit ist dabei die Wurzel allen Übels.

Und was kann man konkret tun, um zu verhindern, dass Jugendliche sich die Antworten auf ihre Fragen in zweifelhaften Foren im Netz suchen?

Lindner: Das funktioniert letztendlich nur über den Dialog. Die Gemeinden sprechen nicht gern darüber, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass es auch hier in Hanau Gruppen gibt, die gezielt versuchen, junge Leute anzuwerben. Wir sind inzwischen in Kontakt mit der evangelischen Kirche in Steinheim und dem Runden Tisch der Religionen und versuchen hier, ein Netzwerk aufzubauen. Wir beraten uns in ganz unterschiedlichen Fragen, da geht es um Ernährung im Kindergarten, aber auch um den Umgang mit Jugendlichen, die zum Beispiel in der Schule bereits radikale Tendenzen zeigen.

Darsane: Die muslimische Community hier kennt sich ja, man bekommt viel mit, auch wenn man die Leute nicht persönlich kennt. Da hört man auch von dem einen oder anderen, der anfängt, sich abzukapseln. Vor einem Jahr hatten wir deshalb die Idee, uns mit verschiedenen Moscheegemeinden zusammenzutun, um solche Leute zu erreichen. Dazu ist es leider nicht gekommen, und mein persönlicher Eindruck war, dass sich viele Moscheegemeinden eher von solchen Problemen distanzieren wollten.

Also ist das etwas, vor dem man lieber die Augen verschließt?

Darsane: Da ist natürlich eine gewisse Angst da, mit solchen Sachen in Verbindung gebracht zu werden. Ich habe zum Beispiel auch schon mitbekommen, dass einigen Leuten Hausverbot erteilt wurde, aber ich finde, das ist der falsche Weg. Man muss mit den Jugendlichen arbeiten, versuchen, sie noch zu erreichen. Das erfordert aber auch die Bereitschaft, offen über dieses Thema zu sprechen und auch bei Meinungsverschiedenheiten nicht gleich beleidigt zu sein.

Der Terror im Namen Allahs wird von muslimischen Verbänden ganz klar verurteilt, dennoch sind viele Muslime der Auffassung, Islamismus habe nichts mit dem Islam zu tun. Macht man es sich damit nicht ein bisschen zu einfach?

Lindner: Die Gesellschaft hat ein Recht, Angst zu haben. Und sie hat ein Recht, Fragen zu stellen. Dem müssen wir uns stellen, ganz klar. Ich persönlich kann es nicht hinnehmen, dass diese Menschen in meinem Namen diese Dinge tun, insofern ist Islamismus auch mein Problem. Mein Verständnis ist, dass das meine Geschwister im Glauben sind, und auch wenn sie vollkommen falsch liegen, muss ich mich ihnen annehmen und kann ihnen nicht einfach den Rücken zuwenden.
Sie haben im Dezember 2013 das Islamische Informations- und Begegnungszentrum ins Leben gerufen, das durch mehr Transparenz ausdrücklich auch den Dialog mit der nichtmuslimischen Bevölkerung fördern will. Wo genau setzen Sie an?

Darsane: Wir waren vorher dem Islamischen Arbeiterverein angeschlossen, unser Fokus lag dabei von Anfang an auf dem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit, wir haben immer das Gespräch gesucht, und zwar sowohl mit Muslimen als auch mit Nicht-Muslimen. Daneben war uns wichtig, die Predigten auf Deutsch anzubieten, und das war letztlich der ausschlaggebende Punkt, selbst einen Verein zu gründen. Das war auch ein Generationenkonflikt, die älteren Muslime bevorzugen da ganz klar die Predigt in arabischer Sprache.

Lindner: Neben der Sprache ging es aber auch darum, dass wir raus wollten aus den Moscheen, die voller Staub sind – und uns mit der Realität auseinandersetzen. Die Räumlichkeiten sind klein und nicht unbedingt was zum Vorzeigen, aber zu den Freitagspredigten kommen immer so um die 50 vor allem junge Leute. Daneben bieten wir Workshops für Muslime und Moscheeführungen für Interessierte, aktuell planen wir auch, direkt in Schulen zu gehen, um das Gespräch zu suchen.

Das gerade in der Politik viel zitierte gute Zusammenleben der verschiedenen Religionen in Deutschland scheint oft eher ein Nebeneinanderherleben, das Interesse am jeweils anderen eher gering. Wie kann man dem begegnen?

Darsane: Der interreligiöse Dialog ist extrem wichtig, ohne Gespräche wird es nicht funktionieren. In der Zusammenarbeit beim Runden Tisch der Religionen oder auch mit der evangelischen Kirchengemeinde Steinheim gibt es keine Berührungsängste, wenn wir es schaffen, das in die Gesellschaft zu tragen, wäre das schon ein großer Schritt. Wir sind jedenfalls für alles offen, und wir müssen etwas tun, auch wenn es vielleicht erstmal nur ganz kleine Dinge sind. Wir dürfen uns jedenfalls von der Größe der Verantwortung nicht abschrecken lassen.

Imame Frankfurt

Stellungnahme zum Attentat in Frankreich vom Rat der Gelehrten und Imame in Deutschland (RIGD)

Stellungnahme vom 08.01.2015 vom Rat der Gelehrten und Imame in Deutschland (RIGD) zu dem Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris

In tiefster Trauer, Sorge, Schock und Schmerz haben wir die Nachricht vom Terroranschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ gehört, bei dem zahlreiche Unschuldige getötet beziehungsweise verletzt wurden. Wir lehnen dieses Vorgehen vehement ab und verurteilen es aufs Schärfste und möchten Folgendes klarstellen:

1. Was geschehen ist, wird von der Religion des Islam, dem Verstand und der natürlichen Anlage des Menschen abgelehnt. Eine Rechtfertigung und Unterstützung dieser Gräueltaten oder ein Ausdruck der Freude über deren Ausgang ist keinesfalls erlaubt, ganz gleich, wer der Mörder oder das Opfer ist. Die Würde, das Leben und das Vermögen von Nichtmuslimen werden durch die Texte des Qurans und der Sunnah (Handlungsweise des Propheten) ausdrücklich geschützt.

2. Die Politik und Medien sollten die Muslime nicht unter Generalverdacht stellen. Die Allgemeinheit der Muslime ist gegen diese Verbrechen. Die Muslime Europas spielen eine tragende Rolle in der Gewährung des sozialen Friedens.

3. Wir rufen die islamischen Institutionen und Einrichtungen dazu auf, dieses Verbrechen abzulehnen und zu verurteilen. Darüber hinaus rufen wir alle Muslime zur friedlichen Teilnahme an allen Protestveranstaltungen auf, denn die Muslime sind ein Teil der europäischen Gesellschaft – sie haben Teil an ihrer Freude sowie an ihrem Schmerz.

4. Wir rufen die Imame und Prediger dazu auf, in religiöser Tracht und Turban an Protestdemonstrationen teilzunehmen. Weiterhin rufen wir dazu auf, die morgige Freitagspredigt oder einen Teil davon dem Diskurs über die Rolle der Muslime hinsichtlich der Gewährung des gesellschaftlichen Friedens zu widmen, und die Muslime davor zu warnen, sich auf irgendwelche Provokationen einzulassen. Sollte es zu einer Provokation oder Diskriminierung kommen, so sollte man ihr rein rechtlich begegnen oder im Rahmen der Kunst- und Meinungsfreiheit.

5. Schließlich sprechen wir den Opfern und deren Angehörigen unser tiefstes Beileid aus und beten für eine schnelle Heilung und Genesung der Verletzten. Wir bitten Allah, den Erhabenen, dass Er den Muslimen in Europa beisteht, und dass Er Frankreich, Deutschland, das gesamte Europa und alle anderen Länder in Sicherheit, Ordnung, Frieden und Wohlstand leben lässt.

Rat der Gelehrten und Imame in Deutschland

Nachbarschaftliches Miteinander

Ein harmonisches nachbarschaftliches Miteinander ist für Muslime überaus wichtig, unabhängig davon, welcher Religion die Nachbarn angehören. Im Quran ist nämlich der Muslim dazu angehalten, all seinen Nachbarn – den muslimischen wie auch allen anderen – Wohltaten zu erweisen:

Und dient Allah und stellt Ihm nichts zur Seite, und erweist den Eltern Wohltaten und ebenso den Verwandten, den Waisen und Armen, den nahestehenden Nachbarn und den fernen Nachbarn, und dem Gefährten an eurer Seite und dem Reisenden und den Unfreien. Wahrlich, Allah liebt nicht die, die überheblich und stolz sind.— 4:36

Dieser Vers wird der Eingottglauben und der Gottesdienst frei von jeglicher Beigesellung mit der Nachbarschaftspflege verknüpft. Dies ist eines von vielen Beispielen, in denen die Verbindung der Glaubensüberzeugung mit Wohltatenerweisung gegenüber der Nachbarschaft deutlich wird.

Ohne Widerspruch zu erfahren haben klassische Quran- Kommentatoren festgehalten, dass mit den fernen Nachbarn unter anderen gültigen Bedeutungen auch nichtmuslimische Nachbarn gemeint sind. Ebenso wird durch den Quran das Verständnis vom Begriff Nachbar in dem Sinne erweitert, dass man darunter mehr Mitmensch verstehen sollte, da der Quran stellenweise alle Einwohner der Kleinstadt Medinas als Nachbarn bezeichnete (33:60) – und Medina war damals eine Stadt von mindestens 10.000 Einwohnern.1

Auch der Gesandte Allahs Muhammad (saw) betonte die Wichtigkeit einer harmonischen Nachbarschaft und hielt Rechte und Pflichten für Nachbarn fest. Im Folgenden nun ein Ausschnitt dieser:
•Zunächst einmal darf der Muslim seinem Nachbarn nicht nur keinen Schaden zufügen, vielmehr muss er sich um dessen gute Behandlung bemühen. Anderes würde gemäß den Worten des Propheten (saw) seiner Glaubensüberzeugung widersprechen:

Bei Allah, er glaubt nicht! Bei Allah, er glaubt nicht! Bei Allah, er glaubt nicht.“ Der Prophet (saw) wurde gefragt: „Wer, O Gesandter Allahs!?“ Er sagte: „Einer, dessen Nachbar nicht sicher ist vor seiner Bosheit.“— Bukhari und Muslim

Wer an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag, soll seinen Nachbarn gut behandeln; und wer an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag, soll seinen Gast großzügig behandeln; und wer an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag, soll Gutes sprechen oder schweigen!— Muslim

Keine Tat, die dem Nachbarn schadet, kann als unbedeutend gelten.— Tabaraani, hasan

Kann man den Stellenwert der Nachbarschaftspflege höher ehren?
•Auch gehört das Grüßen mit einem schönen Gruß zu den Rechten des Nachbarn. Allah Der Erhabene sagt im Quran:

…Übe Nachsicht mit ihnen und sag: `Friede!` ….— 43:89
•Dem Nachbarn mit einem freundlichen Gesicht begegnen. Dies ergibt sich aus dem Quranvers:

Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiss, Allah liebt die Gerechten.— 60:8
•Nach dem Wohlbefinden des Nachbarn zu fragen und ihm Hilfe zukommen lassen, denn der Gesandte Allahs Muhammad (saw) sagte:

Die besten Gefährte sind diejenigen, welche am besten zu ihren Gefährten sind und die besten Nachbarn sind diejenigen, welche am besten zu ihren Nachbarn sind.— Tirmidhi, nach Al- Albaani authentisch

Wer satt ist, während sein Nachbar hungrig ist, ist nicht wahrhaftig gläubig.— Bukhari

Weiterhin sagte der Gesandte Allahs (saw):

Lasst keinen Nachbarn seinem unmittelbaren Nachbarn verbieten, seine Dachsparren an der eigenen Wand zu befestigen.— Bukhari und Muslim
•Weiterhin hat der Nachbar das Vorkaufsrecht, was nach einigen Gelehrten nicht nur im moralischen, sondern auch im rechtlichen Sinne zu verstehen ist. Wenn man also seine Wohnung verkaufen möchte, so hat zunächst der Nachbar ein Anrecht darauf, diese durch den gängigen Preis zu erwerben. Der Gesandte Allahs Muhammad (saw) sagte dazu:

Wer eine Wand mit einem Nachbar teilt, so darf er nicht verkaufen, bis er seinem Nachbarn ein Angebot unterbreitete.— Ahmad
•Dem Nachbarn Geschenke zukommen lassen, gemäß den Worten des Gesandten (saw):

Wenn du Suppe zubereitest, gib viel Wasser hinein und dann schau, wie es der Familie deines Nachbarn geht, und gib auch ihr davon.— Muslim

Ebenfalls ist bekannt, dass der Prophet (saw) Abu Sufjan mit Datteln aus Medina beschenkte, und zwar im Rahmen einer kriegerischen Auseinandersetzung. Dies wurde u.A. von As- Sarkhasy in seinem Werk Al- Mabsuut dokumentiert.)

Genauso wie man zu beschenken hat, soll man auch einempfangenes Geschenk anerkennen und aufgrund dessen auch Freude zeigen – selbst wenn das Überbrachte an sich nicht freudenstiftend ist. Der Prophet (saw) sagte diesbezüglich sinngemäß:

Kein Nachbar soll (das Geschenk) seines Nachbarn verachten, und wenn es ein Schafsfuß wäre.— Bukhari

Einst wies Abdullah ibn Amr, ein berühmter Gefährte des Propheten Muhammad (saw) seinen Bediensteten dazu an, bei der Verteilung seines frisch geschlachteten Fleisches zuerst seinem jüdischen Nachbarn zu geben. Der Bedienstete fragte Abdullah diesbezüglich und dieser erwiderte ihm mit der Aussage des Propheten Muhammad (saw):

Der Engel Jibriel (Gabriel) hat mich so unnachgiebig dazu aufgefordert, wohltätig zu meinem Nachbarn zu sein, dass ich dachte, er würde ihn zu meinem Erben machen.

In den vorangegangenen Worten des Propheten (saw) ist eine enge Bindung zwischen erbberechtigten Verwandten und den Nachbarn hergestellt worden. Dies sollte jedoch nicht weiter verwundern, schließlich sieht man seine Nachbarn im Alltag häufiger als manchen entfernt wohnenden Verwandten. Abdullah ibn Amr verstand es, diese Worte richtig umzusetzen indem er mit der Gunsterweisung und Beschenkung anfing. (Bukhari)
•Ihm Gutes zu wünschen

Uqbahibn Amir, Prophetengefährte und u.a. Statthalter Ägyptens für drei Jahre, sprach beispielsweise zu einer Gelegenheit folgendes Bittgebet für einen der nichtmuslimischen Einwohner:

Möge Allah dir ein langes Leben, reichlich Vermögen und viele Kinder schenken.— Bukhari; Al-Adab Al-Mufrad

Um das quranische Gebot und die prophetischen Aussprüche hier und heute – in einer politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich komplexen Situation – umsetzen zu können, ist es wichtig, dass wir als Bürger dieses Landes nicht nur Vorurteile auf allen Seiten ausräumen und über die gemeinsam geteilten moralischen Prinzipien sprechen, sondern sie auch gemeinsam nachbarschaftlich ausleben und einander überall helfen, wo wir nur können.

Aufklärungs- und Dialogarbeit ist an dieser Stelle wichtig, weil durch sie Vorurteile auf allen Seiten abgebaut werden, womit auch ein Stück weit gesellschaftlicher Frieden ermöglicht bzw. erreicht wird – etwas was in unser aller Interesse liegt.

Dialogarbeit wird auch immer wichtig bleiben, weil diejenigen, die ihn benötigen um ihre Vorurteile abbauen zu können, trotz aller Arbeit nicht weniger zu werden scheinen….

Ein produktives Miteinander ist viel wirksamer als ein friedliches Nebeneinander.

Die islamischen Urquellen – der Quran und das authentisch dokumentierte Leben des Propheten Muhammad (saw) – stellen Muslimen die hierfür benötigten Grundlagen bereit.

Im Quran beispielsweise ist festgehalten:

Befehlt ihr denn den Menschen Güte, während ihr euch selbst vergesst, wo ihr doch die Schrift lest? Begreift ihr denn nicht?— 2:44

Wollen wir nicht alle, dass Vorurteile nicht unseren Alltag dominieren? Leben wir nicht alle besser, wenn Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft verwirklicht werden? Hierfür müssen wir allerdings etwas leisten – auch mit dem Wissen, dass Scharfmacher gerne das gesellschaftliche Klima vergiften um davon verschiedenst zu profitieren.

Weiterhin heißt es im Quran:

Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiss, Allah liebt die Gerechten.— 60:8

Die Formulierung Allah verbietet euch nicht sollte an dieser Stelle nicht irritieren, den Güte auszuüben ist ein Gebot, keine Option:

Ähnlich formuliert wurde auch der Sa`i, eine unerlässliche Pflichthandlung der Pilgerfahrt nach Mekka:

Gewiss, as-Safa und al-Marwa gehören zu den (Orten der) Kulthandlungen Allahs. Wenn einer die Pilgerfahrt zum Hause oder die Besuchsfahrt vollzieht, so ist es keine Sünde für ihn, wenn er zwischen ihnen beiden den Umgang macht. Und wer freiwillig Gutes tut, so ist Allah Dankbar und Allwissend.— 2:158

Das Gebot der Güte ist weiterhin deutlich im Quran wie folgt festgehalten:

Ist der Lohn des Guten nicht ebenfalls das Gute?— 55:60

Um den Stellenwert des in den Versen 2:44 und 60:8, (in verschiedenen grammatikalischen Formen) stets verwendeten Worts Güte, welches an jeweiligen Stellen fett gedruckt wurde (im Arabischen: Al- Birr), näher zu erläutern, mögen folgende Verse des Qurans angeführt sein:

Nicht darin besteht die Güte, dass ihr eure Gesichter gegen Osten oder Westen wendet. Güte ist vielmehr, dass man an Allah, den Jüngsten Tag, die Engel, die Bücher und die Propheten glaubt und vom Besitz – obwohl man ihn liebt – der Verwandtschaft, den Waisen, den Armen, dem Sohn des Weges, den Bettlern und für (den Loskauf von) Sklaven hergibt, das Gebet verrichtet und die Abgabe entrichtet; und diejenigen, die ihre Verpflichtung einhalten, wenn sie eine eingegangen sind, und diejenigen, die standhaft bleiben in Not, Leid und in Kriegszeiten, das sind diejenigen, die wahrhaftig sind, und das sind die Gottesfürchtigen.— 2:177

…dient niemandem außer Allah und zu den Eltern sollt ihr gütig sein und zu den Verwandten, den Waisen und den Armen! Und sagt Gutes zu den Menschen, verrichtet das Gebet und entrichtet die Abgabe…— 2:83

Güte kennzeichnet im Quran also nicht nur die Beziehung zwischen Allahund Seinen Dienern sowie die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, sondern Güte soll auch die Beziehungen zwischen dem Muslimen und allen die ihnen friedlich gesinnt sind durchdringen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Allah auch für Sich Selbst den Namen Al- Barr – Der Gütige – gewählt hat:

Gewiss, Er ist ja der Gütige und Barmherzige.— 52:28

Bekannt ist unter Muslimen, dass eine Kategorie an Namen Allahs, Des Erhabenen gibt, deren darin enthaltenen Eigenschaft man im Menschenmöglichen in sich erziehe sollte. Zweifelslos ist dies bei der Eigenschaft der Güte der Fall.

Für Güte, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gemeinsam einzutreten, sind also Grundlagen vorhanden. Gelegenheiten sind genügend da, wo der Wille vorhanden ist. Um letzteren zu bilden, ist diese Abhandlung geschrieben worden – und wird sich der Verbreitung erfreuen

Auf ein Gelingen dessen – InshaAllah